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Multitalent Speichel
Was hinter Mundtrockenheit stecken kann

Die Auslöser für einen reduzierten Speichelfluss sind vielfältig. In den meisten Fällen tritt Mundtrockenheit entweder als Alterserscheinung, als Nebenwirkung von Medikamenten oder einer Krebstherapie oder als Symptom einer ganzen Reihe von Erkrankungen auf.

Abb. 1 Große Speicheldrüsen in der Mundhöhle.
Die größte und wichtigste Speicheldrüse ist die Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis) (a). Ihr Ausführungsgang endet gegenüber dem zweiten oberen Mahlzahn (Molar). Der Drüsenausgang der Unterkieferspeicheldrüse (Glandula submandibularis) (c) endet unter der Zunge. Die Unterzungenspeicheldrüse (Glandula sublingualis) (b) liegt innerhalb der Mundhöhle und wirft auf dem Mundboden eine Schleimhautfalte auf

Alterserscheinung Mundtrockenheit

Menschen in der zweiten Lebenshälfte und Pflegebedürftige leiden besonders häufig unter Mundtrockenheit. Hierfür gibt es mehrere Gründe. Zum einen nimmt im Alter bei vielen Menschen das Durstgefühl ab und es wird weniger getrunken. Die Folge ist eine verringerte Speichelproduktion. Zudem nehmen viele ältere Menschen dauerhaft Medikamente ein, was ebenfalls häufig einen trockenen Mund zur Folge hat. Pflegebedürftige und insbesondere unter Demenz leidende Personen hingegen nehmen Mundtrockenheit auf Grund ihres Zustandes häufig gar nicht erst wahr. Hier sind Angehörige und das Pflegepersonal aufgefordert, darauf zu achten, dass Mund- und Rachenraum ausreichend befeuchtet sind.

Nebenwirkung von Medikamenten

Die Einnahme von Medikamenten ist eine der häufigsten Ursachen von Mundtrockenheit. Bei über 400 Medikamenten, allein auf dem deutschen Markt, steht Mundtrockenheit als mögliche Nebenwirkung im Beipackzettel. So tritt sie zum Beispiel bei auf das Nervensystem wirkenden Arzneimitteln gegen Bluthochdruck, Depressionen, Allergien und Parkinson auf. Aber auch stoffwechselbeeinflussende Medikamente wie Antibiotika und Cholesterinsenker können zumindest kurzfristig den Speichelfluss vermindern. Da die Medikamentengabe in vielen Fällen langfristig vorgesehen ist, müssen die Patienten mit der unangenehmen Begleiterscheinung leben. Auch der Wechsel zu einem anderen Präparat verspricht nicht unbedingt eine Besserung.

Tumortherapie – Stress auch für die Speicheldrüsen

Dank des medizinischen Fortschritts kann man viele Krebserkrankungen mittlerweile durch Chemotherapien und Bestrahlungen in den Griff bekommen und Tumore effektiv bekämpfen. Im Verhältnis zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung gesehen, sind die Nebenwirkungen der Krebstherapie, wie z.B. ein trockener Mund natürlich eher zweitrangig, für die Betroffenen aber dennoch sehr unangenehm. Besonders bei Bestrahlungen des Kopf-Hals-Bereiches kann es zu einer Schädigung der Speicheldrüsen kommen, so dass sie nicht mehr ausreichend Speichel produzieren. Leider sind diese Schädigungen meist irreversibel, so dass die Mundtrockenheit auch nach erfolgreich abgeschlossener Therapie bestehen bleibt. Auch bei vielen Chemotherapien kann die Speichelproduktion zumindest vorübergehend vermindert werden. Übrigens: Eine der häufigsten Begleiterscheinungen bei Tumorerkrankungen im Kopf-Hals-Bereich ist Mangelernährung – ebenfalls begünstigt durch den ausbleibenden Speichelfluss.

Hinweis auf eine andere Erkrankung

Mundtrockenheit kann auch ein Symptom einer bis dahin noch nicht entdeckten Erkrankung des Patienten sein, z.B. Rheuma, Stoffwechselkrankheiten, Diabetes, Bluthochdruck, Schilddrüsenerkrankungen, Hormonstörungen, Stress und Depressionen. Daher sollte der behandelnde Arzt bei plötzlich auftretender Mundtrockenheit abklären, ob eine andere Grunderkrankung dahinter steckt. Ist das der Fall und die Erkrankung wird erfolgreich therapiert, verschwindet auch häufig die Mundtrockenheit wieder.

Multitalent Speichel

Welche gesundheitliche Bedeutung der menschliche Speichel hat, ist nur den wenigsten bewusst. Dabei erfüllt er eine Vielzahl von Aufgaben: Er befeuchtet und pflegt den Mund- und Rachenraum sowie deren Schleimhäute und schützt die Zähne. Er weicht die
Nahrung ein, löst die Geschmacksstoffe heraus und ermöglicht das Schlucken. Er lässt die Zunge gleiten, dadurch ist Sprechen möglich – um nur einige der wichtigsten Funktionen zu erwähnen. Speichel besteht zwar hauptsächlich aus Wasser, ist aber insgesamt eine komplex zusammengesetzte Flüssigkeit mit verschiedenen Proteinen, Mineralien und Enzymen. Wie wichtig der Speichel für uns ist, zeigt sich auch daran wie umfangreich wir mit Speicheldrüsen ausgestattet sind. Für die Produktion des Speichels sind die kleinen und großen Mundspeicheldrüsen verantwortlich. Mehr als 90% des Speichels bilden die großen Mundspeicheldrüsen Glandula parotis, Glandula submandibularis und Glandula sublingualis. Den Rest erzeugen die kleinen Speicheldrüsen, die sich verstreut in der Mundschleimhaut finden. Je nach den Drüsen, die den Mundspeichel liefern, unterscheidet man dünnflüssigen Parotidenspeichel, zähflüssigen Submandibularspeichel und Sublingualspeichel. In der Mundhöhle findet man ein Gemisch dieser verschiedenen Speichelarten mit Mundschleim vor. Innerhalb eines Tages sondert ein erwachsener Mensch 1– 2 Liter Speichel ab.

 
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