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Osteoporose
Eine Anregung zur kontroversen Diskussion
Osteoporose hat sich zur Volksseuche entwickelt. Fand man bei Skeletten von Frauen, die im 18. Jahrhundert lebten und die zwischen 15 und 89 Jahren alt waren, Knochen vor, die stärker und dichter waren, als die Knochen jeder heutigen Frau vor und nach den Wechseljahren, so leiden inzwischen allein in Deutschland rund sieben Millionen Männer und Frauen an ihr. Besonders alarmierend ist, dass zunehmend auch jüngere Menschen betroffen sind. Man findet schon dreißigjährige, die erhebliche Einbußen an ihrer Knochenfestigkeit aufweisen. Gefährlich ist, dass Osteoporose sich schleichend entwickelt und dabei lange Zeit symptomlos verläuft. Erst wenn der Knochen deutlich an Substanz verloren hat kommt es scheinbar plötzlich zu Brüchen. Besonders schlimm wirkt sich dies an der Wirbelsäule aus. Wirbelkörper werden durch die Bandscheiben eingedrückt, so dass die Ränder sich berühren und verwachsen. Oder sie brechen teilweise ein. Dabei können Nerven gequetscht oder Organe und Gefäße eingeengt werden, was lebensbedrohlich sein kann.
Widersprüche und Ungereimtheiten
Die herrschende Meinung hält das Krankheitsbild und die Ursache der Knochensprödigkeit für geklärt: Kalziummangel. Die Patienten bekommen hohe Gaben an Kalzium und Magnesium und werden zum Kuhmilchprodukte-Verzehr aufgefordert, um dem Körper diese scheinbar fehlenden Mineralien zur Verfügung zu stellen. Schmerzen, die bei Betroffenen oft auf die Osteoporose zurückgeführt werden, behandelt man wie gewohnt mit Schmerzmitteln. Darüber hinaus wurde lange Zeit zur Hormonersatztherapie geraten. Erst in letzter Zeit, seitdem immer bekannter wird, was für Gefahren davon ausgehen können, wird davon Abstand genommen. Und ob sie wirklich dazu beitragen kann, Osteoporose zu stoppen oder sogar wieder rückgängig zu machen, ist fraglich. Von diesen Einschätzungen unbenommen bleiben natürlich die weit fortgeschrittenen Krankheitsbilder, bei denen Wirbelkörper schon am Zusammenbrechen sind, oder durch Knochenschwund eine solch hohe Gefahr für die Gesundheit besteht, dass operativ unterstützt werden muss oder durch allopathische Medikamente versucht wird, den Patienten lebensfähig zu halten. Für mich, die viele solcher Krankheitsfälle betreut und die Verläufe beobachtet hat, stellen sich die Ursachen anders dar. Das weitläufig akzeptierte Meinungsbild sollte hinterfragt werden. Warum hatten Frauen im 18. Jahrhundert gesündere Knochen als heute, wo wir doch in der Hochblüte der Erkenntnisse stehen? Warum gibt es in vielen Ländern weitaus weniger Osteoporosekranke als bei uns? Warum gibt es gar in bestimmten Sprachen wie Chinesisch oder Japanisch noch nicht einmal ein Wort für Osteoporose? Oder umgekehrt: Warum haben die westeuropäischen Länder und die USA die höchsten Osteoporoseraten weltweit, obwohl sie den höchsten Verzehr an Kuhmilchprodukten aufweisen? Warum findet man bei Osteoporosepatienten, die sich in Therapie befinden, teilweise extrem hohe Konzentrationen von Kalzium in den Geweben, aber nicht im Blut, welches das Mineral in die Knochen transportieren sollte?
Der Irrtum mit der Milch
Die größte Fehlinformation, betrifft die Kuhmilch. Völlig im Gegensatz zur herrschenden Meinung kommen immer mehr praktizierende Therapeuten und neutrale Studien zum eindeutigen Schluss, dass der Verzehr von Kuhmilchprodukten nicht der Osteoporose vorbeugt oder sie gar rückgängig macht, sondern sie im Gegenteil mit verursacht. Kurz formuliert: Kuhmilch macht eher krank als gesund! Der Verzehr von tierischen Eiweißen, der in den betroffenen Ländern extrem zugenommen hat, ist einer der Hauptgründe für Osteoporose. Die Verstoffwechselung von Milchprodukten setzt große Mengen an Stoffen frei, die das Gewebe übersäuern. Der Körper benötigt zur Abpufferung dieser Säuren mehr Kalzium, als die zugeführte Milch enthält, was zu einer negativen Kalziumbilanz führt. Eine, vom amerikanischen National Dairy Council finanzierte Studie beispielsweise belegte Folgendes: Frauen tranken zwei Jahre lang nach den Wechseljahren täglich drei Gläser mit 220ml Milch. Obwohl diese Frauen damit täglich 1.400 mg Kalzium aufnahmen, verloren sie in dieser Zeit doppelt soviel Knochenmasse wie die Vergleichsgruppe ohne Milchprodukte. Die legendäre Nurses Health Study der Harvard University, bei der 78 000 Frauen über 12 Jahre hinweg beobachtet wurden, zeigte, dass bei den Frauen, die viel Milchprodukte zu sich nahmen, häufiger Knochenbrüche auftraten als bei denen, die nur selten Milch tranken.
Wasser, das Zaubermittel für Ihre Gesundheit
Leider ist immer noch vielen Menschen die Rolle und Wichtigkeit des Wassers nicht bewusst, obwohl es doch der wichtigste Transporteur der Stoffe und Teilchen in unserem Körper ist. Ohne Wasser „läuft nichts“. Beträgt der Wassergehalt eines Babys noch fünfundsiebzig Prozent, so sollte der eines Erwachsenen ungefähr bei zwei Dritteln der Körpermasse liegen, also bei sechsundsechzig Prozent. Dieser Wert wird nur in den seltensten Fällen erreicht. Meist liegt er zwischen fünfundfünfzig und sechzig Prozent, mit zunehmendem Alter und mit dem steigenden Grad ungesunder Lebensführung, sinkt er oft auf Werte unter fünfzig Prozent, in extremen Fällen unter fünfundvierzig! Die Versorgung aller Körperzellen ist zwingend an das Wasser als Transportmittel gebunden. Ist der Wassergehalt des Körpers zu gering, so ist der Transport von Hormonen, Enzymen, Eiweißen und Mineralien an ihren jeweiligen Bestimmungsort eingeschränkt oder kommt völlig zum Erliegen. Kein Aufbau- oder Reparaturprozess im Körper funktioniert, wenn der Stofftransport zu den Zellen nicht klappt, unabhängig davon, welche Mengen an notwendigen Stoffen dem Körper zugeführt werden. Ohne frei fließendes Wasser im Körper geht rein gar nichts. Wen wundert es nach der Bewusstmachung dieser grundsätzlichen Funktion des Wassers im Körper noch, wenn bei Wassermangel zunächst Befindlichkeitsstörungen, dann Krankheiten und schließlich lebensbedrohliche Zustände auftreten?
Trockene Knochen brechen
Wenn man weiß, dass in unseren Knochen die gleichen Stoffwechselvorgänge stattfinden wie im restlichen Körper, dass unsere Knochen also keine unveränderbaren Teile sind, sondern wie der gesamte Körper permanenten Auf- und Abbauprozessen unterliegen, kann man nachvollziehen, dass Versorgungsmängel sich auch auf den Knochen auswirken. Knochen bestehen im Inneren unter anderem aus den Knochenbälkchen, die aus Eiweißen gebildet sind und aus dazwischen eingelagertem Kalzium, das wie bei einem Fachwerkhaus die Zwischenräume ausfüllt und den Knochen somit aussteift. Zusätzlich hat jeder Knochen eine äußere Hülle von kreuzweise übereinander geschichteten Kollagenfasern. Diese stellen eine starke Wandung dar, die bis zum Schluss Form erhaltend stehen bleibt. Bei dieser äußeren Hülle wirkt sich der Wasserverlust drastisch aus: Sprödigkeit und Bruchgefahr erhöhen sich um ein Vielfaches. Bei Osteoporose fehlt nicht nur Kalzium in den Knochen, sondern die Gesamtstruktur des Knochens ist geschwächt, ein Indiz für eine wesentlich umfassendere Unterversorgung des Knochens. Macht man sich darüber hinaus bewusst, dass bei unserer extrem eiweißhaltigen Ernährung ein massives Überangebot an Eiweißbaumaterial besteht, gleichzeitig aber die Knochenbälkchen, die aus Eiweiß bestehen, abbauen, so hat man ein weiteres Indiz für die Versorgungsproblematik. Wenn genügend benötigte Stoffe zugeführt werden, aber der Knochen trotzdem abbaut, dann kann es daran liegen, dass diese Stoffe ihren Bestimmungsort im Knochen nicht erreichen. Dies gilt für Baustoffe und Hilfsstoffe, wie z.B. Hormone gleichermaßen.
Das Wichtigste: Bewegung
Eine Einflussgröße, die eigentlich Wichtigste, ist die mechanische Belastung der Knochen. Dabei gilt das dreifache Belastungsgesetz der Biologie: Unterforderung bringt Abbau, gesunde Forderung bringt Erhalt und Überforderung schädigt. Um Knochen stabil zu halten ist es unverzichtbar, sie zu belasten. Sie so zu fordern, wie es genetisch programmiert ist. Leider findet dies im Alltag des heutigen „Informationszeitalters“ immer weniger und wenn dann nur in körperlichen Berufen oder in sportlicher Eigeninitiative statt. Wir sind aber durch die Evolution für ganztägige körperliche Aktivität ausgelegt. Dies Problem zu lösen, ist die Basis für den Erfolg aller anderen Aktivitäten. Egal welcher Wahrheit man Glauben schenkt, ob es die Gabe von Mineralstoffen, von Milchprodukten, von Hormonen, von gesunder Nahrung ist oder Maßnahmen zur Steigerung des Wassergehaltes der Knochen sowie andere allopathische oder naturheilkundliche Möglichkeiten, eins steht fest: Knochen, die unterfordert sind, haben keinen Grund, fester zu werden! Sie werden schwach bleiben, auch wenn die anderen Voraussetzungen erfüllt sind. Die tägliche Forderung, entsprechend dem körperlichen Zustand, ist Grundvoraussetzung dafür, dass die Stabilität schwacher Knochen wieder zunimmt. Die richtig dosierte Quantität und bestmögliche Qualität der Bewegung in den Alltag einzubauen, ist dringlichste Aufgabe.
Dr. Petra Bracht
 Dr. med Petra Bracht, geboren 1956, ist Ärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren, niedergelassen in Bad Homburg v. d. H.
8 Jahre Lehrauftrag zum Thema Ernährung und Gesundheit an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, erfolgreiche Buchautorin, Verfasserin vieler Publikationen und Vorträge zu den Themenschwerpunkten Vorbeugung, Ernährung, Darmgesundheit, Nährstoffmedizin, seit fast 20 Jahren spezialisiert auf die Kombination von Naturheilkunde, moderner Medizin und fachübergreifenden neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, bekannt aus Funk und Fernsehen, u. a. HR1, ARD, ZDF, RTL, Sat1, PRO7 und durch ihren unermüdlichen Einsatz in verantwortungs-vollen Positionen in diversen internationalen Fachgremien und Verbänden.
So stärken Sie Ihre Knochen und beugen Osteoporose vor
Belasten Sie Ihre Knochen durch möglichst vielseitige Bewegung. Sie müssen dazu keine schweren Gewichte stemmen. Normale Bewegung mit Körpergewicht genügt völlig. Empfehlenswert sind alle Formen von ruhiger Gymnastik, spezielle Yogastile wie ReiYoga, spezielle ChiKung-Stile wie WingTsun-ChiKung, Nordic-Walking (aber die Stöcke bitte feste abdrücken und nicht schleifen lassen!), Skilanglauf und alle anderen Arten von Ganzkörperbewegungen. Haben Sie Sorge vor Verletzungen, dann wählen Sie langsame Bewegungsarten, denn bei langsamen Bewegungen ist es unmöglich für den Körper, sich zu schädigen. Verzichten Sie weitest möglich auf Kuhmilch in jeder Form. Falls Sie tierisches Eiweiß nicht reduzieren wollen, dann essen Sie besser Hochwertiges vom Biobauern. Um wertvollstes Kalzium zuzuführen, beziehen Sie dieses aus Früchten, Gemüse und Salat. „Essen“ Sie größtmögliche Mengen von pflanzlichem Wasser ebenfalls in Form dieser Lebensmittel und trinken Sie viel mineralarmes und kohlensäurefreies Wasser. Das in frischen Lebensmitteln enthaltene Kalzium befindet sich im natürlichen Verbund mit all den sekundären Pflanzenstoffen. Dadurch kann es optimal vom Körper verwertet werden. Gleichzeitig sorgt die basische Verstoffwechselung für den Abbau der knochenfressenden Säuren, auch Schlacken genannt. Möchten Sie Kalzium ergänzen, beachten Sie, dass die Inhaltstoffe möglichst natürlichen Ursprungs, und sekundären Pflanzenstoffe ebenfalls enthalten sind. Verzehren Sie aus diesem Grund zu Nahrungsergänzung immer Obst und Gemüse. Mit diesen einfachen aber höchst wirkungsvollen Maßnahmen erhöhen Sie Ihre Chancen drastisch, von Osteoporose verschont zu bleiben oder Ihre schon entwickelte Knochenschwäche langsam aber sicher rückgängig zu machen.
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