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Das Sch(l)üsselorgan
wenn der Darm in den Streik tritt

Darm unter dem Mikroskop

Die Gesundheit des Darms ist eine Grundvoraussetzung für unser Wohlergehen. Leider wissen heute immer noch viel zu wenige, dass der Zustand des Darms nicht als gegeben betrachtet werden darf. Natürlich erbt man bestimmte Anlagen, die den Ausgangszustand festlegen. Darauf aufbauend kann dieser Zustand aber im Laufe der Jahre und Jahrzehnte drastisch verändert werden. Leider passieren diese Veränderungen meistens unwissentlich in Richtung Darmkrankheit. Kennt man aber die wichtigsten Vorgänge und weiß, wie man seinen Darm und den ganzen Verdauungstrakt behandeln muss, um ihn bei guter Gesundheit zu halten, kann er ein Leben lang dazu beitragen, dass wir uns wohl fühlen und unser Leben genießen können.

Unglaubliche Mengen
Ungefähr die Menge von sechs Elefanten passiert in Form von Nahrungsmitteln im Laufe eines Menschenlebens den Verdauungstrakt. Das bedeutet, dass ca. 50.000 Kilo Obst, Gemüse, Getreide, Süßigkeiten, Fleisch oder Fisch und all die anderen Dinge durch dieses Organ wandern, um dem Körper Energie und alles Baumaterial für seine vielfältigen Aufgaben zur Verfügung zu stellen. Allein aus dieser Tatsache heraus erklärt sich der Spruch: Der Mensch ist, was er isst! Denn wie soll ein Körper, der seine Zellen im Laufe eines Jahres zu über 90% erneuert, aus schlechtem Baumaterial gute Zellen bauen? Sagt uns da nicht schon – fernab von medizinischem Wissen – unser gesunder Menschenverstand, dass das nicht funktionieren kann? Nehmen wir aber gesunde Lebensmittel, also hochwertiges Baumaterial zu uns, ist die Grundvoraussetzung erfüllt, dass Zellstrukturen höchster Qualität bei den Erneuerungsprozessen entstehen. Kämen Sie als Konstrukteur eines Formel-1-Wagens auf die Idee, minderwertige Materialien zu verwenden? Natürlich nicht.

Gesunder Darm – gesunder Mensch
Der Darm ist die Fortsetzung der nach innen gestülpten Haut. Der Darminnenraum gehört also zur Außenwelt. Er durchzieht unseren Körper wie eine Röhre. Seine Wandung schützt das Körperinnere vor allem, was uns schadet, er ist aber auch das Austauschorgan der Stoffe, die von außen herangebracht und durch ihn hindurch in den Körper hinein gelangen. So hat die Darmgesundheit allerhöchste Priorität. Die beste Ernährung nutzt nichts, wenn unser Verdauungssystem streikt und seinen Aufgaben nur eingeschränkt oder gar nicht mehr nachgehen kann.

Unvorstellbare Größenordnungen
Leider wird die Darmgesundheit in der modernen Medizin noch sehr stiefmütterlich behandelt. Eigentlich unbegreiflich, wenn man sich dieses Organ näher ansieht. Dünn- und Dickdarm haben eine Gesamtlänge von ungefähr 6 - 7 Metern, mit einer Gesamtoberfläche von 300 – 400 Quadratmetern. So viel wie drei große Wohnungen. Der großen Fläche entsprechend, kann man sich vorstellen, welch vielfältiger Stoffaustausch durch sie hindurch stattfinden kann. Dies kann bei guten Stoffen gesundheitsförderlich sein, aber sehr gesundheitsschädigend, wenn es minderwertige oder gar giftige Stoffe sind. Dabei spielt natürlich auch die Pförtnerfunktion der Durchlässigkeit eine große Rolle. Ist diese gestört, kann Schlimmes passieren, vor allem wenn die Resultate der Fehlsteuerung sich über Jahre und Jahrzehnte ansammeln. Im Darm tummeln sich bis zu 400 verschiedene Bakteriengattungen in einer Gesamtzahl von ca. 100 Billionen Individuen (mehr als der Mensch Körperzellen besitzt) mit einem Gesamtgewicht von 1 Kilogramm.  Auch diese sollen das Körperinnere vor dem Eindringen von krankmachenden Erregern schützen. Voraussetzung dafür ist, dass die Bakterienflora gesund ist. Leider noch viel zu wenig bekannt ist die Tatsache, dass durch die meisten Antibiotika die Darmflora in großen Teilen abgetötet wird. Wie massiv dieser Effekt ist, hängt vom Präparat und der Dauer der Einnahme ab. Falls es wegen akuter Krankheiten nötig ist, Antibiotika zu geben, muss hinterher unbedingt durch das Zuführen von Probiotika wieder ausgeglichen werden. Dass es zwischenzeitlich sogar modern wird, sozusagen vorbeugend Antibiotika-Kuren zu verabreichen, ist höchst bedenklich.

Giftige Gase belasten die Leber
Natürlich kommt es beim Verdauungsprozess selbst auch wieder auf die Qualität der Nahrungsmittel an. Essen Sie beispielsweise viele tierische  Produkte, wie Fleisch, Wurst, Eier, Milchprodukte oder Fisch freuen sich die Fäulnisbakterien und vermehren sich prächtig. Dabei bilden sie hochgiftige Gase, die sowohl der gesunden Darmflora als auch Ihrem Organismus schaden. Aber auch Zucker und Alkohol stören die Mikroökologie, denn sie sorgen für Gärungsprozesse und bilden Fuselalkohole, die die Leber erheblich belasten.

Der Hauptsitz unseres Immunsystems liegt im Bauchraum
Ohne ein funktionierendes Immunsystem könnten wir nicht leben. Unsere Körperpolizei ist in jedem Augenblick unseres Lebens in Einsatzbereitschaft. Die direkteste und durchlässigste Verbindung der Außenwelt mit unserem Körperinneren ist der Verdauungstrakt. Dies ist der Grund dafür, dass gerade dort – direkt an der Innenseite der Darmwände - mehr als 80% des gesamten Immunsystems ansässig ist. Natürlich hängt der Zustand des Immunsystems wiederum direkt mit dem gesunden Darmmilieu zusammen.

1. Magen
2. Zwölffingerdarm
3. Dünndarm (Jejunum)
4. Dünndarm (Ileum)
5. Übergang Dünn-/Dickdarm
6. Blinddarm
7. Wurmfortsatz
8. aufsteigender Dickdarm
9. Querdarm (Transversum)
10. absteigender Dickdarm
11. D-förmiger Teil (Sigma)
12. Mastdarm (Rektum)
13. Schließmuskel (Sphinkter)

Verstopfung, eine heimliche Volkskrankheit
Neun Millionen Deutsche leiden unter Verstopfung. Eine Tabuerkrankung, die meist nur beim Apotheker oder im Reformhaus angesprochen wird. Selbst beim Hausarzt wird dieses Thema häufig ausgespart. Leider kursieren die unmöglichsten Empfehlungen zur Häufigkeit des  Stuhlgangs. Viele sind der Ansicht, einmal alle paar Tage sei normal. Das ist falsch und sehr gefährlich. Zumindest einmal täglich Stuhlgang ist ein Muss, besser zweimal, normalerweise nach größeren Mahlzeiten. Zu seltener Stuhlgang hat gravierende Folgen, denn die sich immer mehr aufbauende Verstopfung ist lebensgefährlich. Der Dickdarm ist ein Ausscheidungsorgan. Außer dass Wasser und lebensnotwendige Mineralien zurück resorbiert werden, sollen nicht verwertbare Nahrungsreste ausgeschieden werden. Verweilen diese zu lange, bilden sich durch die Arbeit der Darmbakterien hochgiftige Gase, die durch die Schleimhaut ins Köperinnere gelangen und von der Leber abgebaut werden müssen. Dies wird auch als Eigenvergiftung bezeichnet. Begleiterscheinungen wie Abgeschlagenheit, unklare Leberwerterhöhung, Leistungsabfall, Überlaunigkeit und Schmerzen im Bauchraum sind häufig zu beobachten. Im Dickdarm selbst kann es zu ständigen Entzündungen kommen, die dann zum Ausgangspunkt von bösartigen Zellen werden können.

Die Zahl der Darmerkrankungen steigt seit Jahren
Nicht ohne Grund liegt der Dickdarmkrebs bei den bösartigen Erkrankungen an erster Stelle. Auch die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen nehmen stetig zu. Die Diagnose „Reizdarm“, die für mich immer eine Verlegenheitsdiagnose darstellt, hilft den Betroffenen nicht weiter, denn angeblich ist die Ursache nicht auffindbar und eine Therapie gibt es nicht.

In der Naturheilkunde kennt man diesen Zusammenhang zwischen dem Körper, Seele und Geist schon immer. Im Bezug auf den Darm sagt man: Er ist der zweite Sitz der Seele, denn die zweitgrößte Nervenansammlung des Körpers nach dem Gehirn befindet sich im Darm. Hunderte Millionen von Nervenzellen sind in den Darmwänden zu Netzwerken verflochten. Ist die Seele eines Menschen krank, weil er unglücklich ist, dann ist es nicht verwunderlich, wenn uns der Verdauungstrakt auf  noch nicht gelöste Probleme aufmerksam macht. Beschwerden oder Krankheiten sind immer als Hilferufe des Körpers zu verstehen. So ist beispielsweise eine akute oder eine chronische Verstopfung ein Zeichen, dass der betroffene Mensch an etwas festhält, das ihm nicht gut tut. Schauen Sie genau hin und seien Sie bereit, eingefahrene Muster zu erneuern. Oft können Sie damit wieder Leben in ihren Verdauungstrakt bringen.

Dr. Petra Bracht
Dr. med Petra Bracht, geboren 1956, ist Ärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren, niedergelassen in Bad Homburg v. d. H.
8 Jahre Lehrauftrag zum Thema Ernährung und Gesundheit an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main, erfolgreiche Buchautorin, Verfasserin vieler Publikationen und Vorträge zu den Themenschwerpunkten Vorbeugung, Ernährung, Darmgesundheit, Nährstoffmedizin, seit fast 20 Jahren spezialisiert auf die Kombination von Naturheilkunde, moderner Medizin und fachübergreifenden neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, bekannt aus Funk und Fernsehen, u. a. HR1, ARD, ZDF, RTL,  Sat1, PRO7 und durch ihren unermüdlichen Einsatz in verantwortungsvollen Positionen in diversen internationalen Fachgremien und Verbänden.

Das hilft bei Darmproblemen
Kauen Sie ordentlich? Wahrscheinlich eher nicht, denn die Zeit ist knapp und kauen will gelernt sein und braucht Geduld. Trotzdem ist es die Grundvoraussetzung für einen gesunden Darm. Je kleiner der Speisebrei bereits im Mund auf gespalten wurde, umso einfacher ist der anschließende Verdauungsprozess. Vor allem für die Kohlenhydrate ist das wichtig, denn diese werden im Mund aufgeschlossen. Außerdem hilft es, wenn Sie vor der Nahrungsaufnahme ein großes Glas lauwarmes Wasser trinken. Das regt die Muskulatur des Verdauungstraktes zum Arbeiten an. Auch faserhaltige Lebensmittel wie Gemüse, Salate und Obst haben eine ähnliche Auswirkung auf die Darmbewegung. Durch die Fülle der Faserstoffe im Darm werden Signale gesendet, die veranlassen dass der Weitertransport durch die langen Darmschlingen statt findet. Auch  Einläufe sind sehr wirksam, ganz besonders das große Darmbad, auch als Kolon-Hydro-Therapie bekannt. Hier wird der gesamte Dickdarm gereinigt und die Darmmuskulatur aktiviert. Man beschreibt diese Anwendung auch als inneren Kneippschen Guss. Es gibt keine in der Intensität der Wirkung nur annähernd vergleichbare Entgiftungsmaßnahme für den ganzen Körper, die zudem noch völlig frei von Nebenwirkungen ist.

Finden Sie Ihren Therapeuten
Gehen Sie zu einem Therapeuten, der für Sie und ihre Darmbeschwerden ein offenes Ohr und vor allem Zeit hat. Lassen Sie eine Stuhluntersuchung durchführen, die über den Zustand Ihres Darminnenlebens verlässlich Auskunft gibt. Schauen Sie genau hin, wenn die Verdauung unregelmäßig wird, Krämpfe und Blähungen vermehrt auftreten oder der Magen schmerzt.

Eine hochwertige Diagnostik ist die Grundlage der Einschätzung Ihrer Darmgesundheit. Mittlerweile gibt es sehr gute Laborverfahren, um den aktuellen Zustand des Verdauungstrakts zu überprüfen. Sie geben Aufschluss über die Beschaffenheit der Darmflora, über das dazugehörige Immunsystem, ob krankhafte Keime vorhanden sind oder die Verdauungskapazität gestört ist. Lassen Sie sich von Ihrem Therapeuten die gewonnenen Informationen erklären. Besprechen Sie mit ihm die unterschiedlichen Therapiemöglichkeiten und Vorgehensweisen und lassen Sie sich ein Programm zur Gesundung Ihres Darmes erstellen, das unbedingt die Ernährung und körperliche Bewegung beinhalten sollte. So können Sie immer mehr Eigenverantwortung für die Gesundheit Ihres Darmes, die direkt mit Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand zusammenhängt, übernehmen.

 
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