Vorsicht - GIFTIG!
Formaldehyd in der eigenen Wohnung - Machen uns Möbel krank?

Giftige M?bel

Die eigenen vier Wände sind für die meisten von uns das intimste Rückzugsgebiet, hier fühlen wir uns sicher und geborgen. Dass ausgerechnet hier dunkle Gefahren für Gesundheit und Wohlbefinden lauern sollen, ist für Viele ein derart unangenehmer Gedanke, dass man es oft gar nicht so genau wissen will. Dabei ist das Risiko, sich in der eigenen Wohnung langsam aber sicher zu vergiften, gar nicht so abwegig.

Konsequent totgeschwiegen, aber leider eine Tatsache ist es, dass mittlerweile jeder Dritte an umweltbedingten Krankheitssymptomen leidet. Dies wird von den Statistiken der Krankenkassen, des Gesundheitsministeriums und der WHO, der Weltgesundheitsorganisation, zweifelsfrei bestätigt. Allerdings werden die üblichen Symptome wie Burn-Out-Syndrom, Allergien, Nervenleiden, Asthma, Migräne, Schmerzsyndrome, Konzentrationsschwäche, Krebs- und Drüsenleiden usw. von den behandelnden Medizinern oft nicht als Folge von Umweltbelastungen interpretiert.

Kaum zu glauben, aber wahr ist, dass die Vergiftung des Privathaushaltes durch Wohngifte durch den Gesetzgeber praktisch nicht erfasst ist. Lediglich für 0,4% der im Handel befindlichen chemischen Substanzen sind gesetzliche Grenzwerte festgelegt, die sich allerdings nur auf den Arbeitsplatz beziehen. Für die Kontamination der Privatwohnung mit Chemikalien aus der Baustoff- und Möbelindustrie existieren keinerlei Grenzwerte.

Das langsame Verderben
Die verhängnisvolle Tücke an den so genannten Wohngiften ist ihre schleichende Wirkung auf den Menschen. Selten ist eine Kontamination so stark, dass man beim Betreten einer Wohnung oder beim Aufstellen des neuen Kleiderschrankes bereits von Hustenanfällen gepeinigt wird oder das Bewusstsein verliert. Leider. Denn dann wüsste man wenigstens sofort, was zu tun ist. Das Übel vollzieht sich in der Regel über viele Jahre bzw. Jahrzehnte der langsamen Vergiftung. So werden chronische Symptombilder erst zu einem Zeitpunkt wahr genommen, an dem das verursachende Möbelstück eventuell schon viele Jahre in der Wohnung steht – es wird daher meist nicht als Auslöser vermutet.

Welche Stoffe krank machen
Die Liste der schädlichen Stoffe ist lang, und wird mit jeder neuen Entwicklung der Industrie länger. Beschränken wir uns in diesem Beitrag auf die Stoffe, die uns aus dem Mobiliar heraus betreffen können, so sind an erster Stelle die zu nennen, die bei der Holzverarbeitung, –konservierung und –pflege auftreten können.

Die bekannteste Substanz ist das Formaldehyd (gesprochen: Form-Aldehyd). Es wird für die Herstellung von Bindemitteln für Holzwerkstoffe (Pressspan, Möbel, Paneelen) verwendet. In Textilien wird es zur Knitterfestigkeit angewendet, ferner als Fungizid oder als Konservierungsstoff in Kosmetika. Daneben wird es aus bestimmten Lacken freigesetzt. Es ist immer noch nicht verboten, obwohl es nachweislich bereits in geringen Mengen Krankheitssymptome auslösen kann. Es ist außerdem seit kurzem durch die WHO in die höchste Risikoklasse eingestuft und gilt somit als definitiv krebserregend. 80 % der vermarkteten Möbel bestehen aus Spanplatten. Nach der Gefahrstoffverordnung von 1989 sind für die Verwendung in Innenräumen, also auch für die Herstellung von Möbeln, nur die Spanplatten mit dem geringsten Formaldehydgehalt, die sog. E1-Platten, zugelassen. Diese Vorgabe gilt aber nicht für im Ausland produzierte Möbel. Da die meisten Möbel aber im Ausland produziert werden, ist diese Regelung praktisch belanglos.

Formel Formaldehyd

Formaldehyd ist Wohngift Nr. 1
Obwohl bei Spanplatten mittlerweile formaldehydarme Qualitäten produziert werden, sind die schwer kontaminierten Billigplatten immer noch rege im Handel vertreten. Zudem wird der Stoff auch aus bestimmten anderen Holzwerkstoffen, Farben, Lacken, Klebern und Dämmstoffen ausgedünstet. Besonderes Augenmerk gilt dem beliebten Holzlaminat als Bodenbelag. Auch er kann eine Quelle für Formaldehydausdampfungen sein. Bei einem Test von 100 Laminat-Fabrikaten waren die meisten davon deutlich belastet.

Giftige Pflegemittel
Holzschutzmittel können PCP (Pentachlorphenol), Lindan, TBTO, Spuren von giftigen Dioxinen und Furanen und eine ganze Reihe anderer Stoffe enthalten. Sie sind nicht nur im Holz, sondern auch in vielen anderen Zellstoffprodukten zu finden, z.B. in Karton und Papier. Holzschutzmittel werden oft schon direkt nach dem Schlagen der Bäume angewandt, deshalb kann selbst als unbehandelt geltendes Holz geringe Mengen z.B. an Lindan enthalten.

PCP und Erzeugnisse, die mehr als 5 mg PCP/kg enthalten, sind seit 1989 verboten. Im Ausland ist die Verwendung von PCP allerdings erlaubt und kann daher durch Import belasteter Artikel zu uns gelangen.

Man weiß, dass Holzschutzmittel Allergien, Erkrankungen des Nervensystems, Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen hervorrufen können. PCP wirkt am stärksten über die Atmung, Lindan dagegen über die Haut. Die Inhaltsstoffe von Holzschutzmitteln gasen über lange Zeit aus, gehen in Textilien, Lebensmittel, Bücher usw. über und reichern sich im Hausstaub an. Sie können so eine Belastungsquelle für Jahrzehnte darstellen.

Vorsicht - Gift

Beim Wohnen keine Kompromisse
Giftige Ausdampfungen und die Gesundheit gefährdender Abrieb von Möbeln und Einrichtungsgegenständen ist ein ernst zu nehmendes Thema. Dass jeder 3. in Deutschland bereits unter Symptomen einer Wohnvergiftung zu leiden hat, ist schockierend, aber offenbar noch nicht schlimm genug. Ein Bewusstsein für die Folgen von leichtfertig ausgewählten Möbeln muss sich in der Bevölkerung erst noch bilden, denn noch immer geht man davon aus, dass ein im Handel befindliches Produkt "ja schließlich nicht schädlich sein kann" – ein folgenschwerer, naiver Irrtum.

Dass Erwachsene unter Migräne, Nervenleiden, Schmerzsyndromen, hormonellen Erkrankungen und dergleichen zu leiden haben ist schlimm genug. Am schlimmsten trifft es jedoch unsere Kinder. Kinderzimmer sind tendenziell mit mehr Möbeln auf kleinerer Fläche bestückt. Zudem werden bei Kinderzimmern häufig günstige Qualitäten bevorzugt, da die Möbel den wachsenden Kindern entsprechend von Zeit zu Zeit ausgetauscht werden müssen. Die steigende Zahl von Allergien, Neurodermitis, Krebserkrankungen, Leukämie, Nervenleiden, Hormonstörungen, ADS und ADHS sind die Anzeichen dafür, dass gewisse Dinge nicht so sind, wie sie sein sollten.

Kinderzimmer und Schlafzimmer sind heilige Räume. Die Gesundheit seiner Kinder aus Unwissenheit, Desinteresse oder Ignoranz zu riskieren ist frevelhaft. Das Schlafzimmer ist auch für uns Erwachsene der Ort, an dem wir uns von den Strapazen des Alltags erholen sollen. Im Schlaf schaltet unser körperliches Schutz- und Verteidigungssystem auf 10% seiner Leistung zurück. Schadstoffbelastungen treffen uns im Schlaf somit 10mal so heftig wie im Wachzustand.

Maßnahmen ergreifen
Oberstes Gebot ist somit: Augen auf beim Möbelkauf! Auf Möbel aus Spanplatten sollte weitgehend verzichtet werden. Massivholzmöbel sind natürlich teurer, aber sie halten auch länger und überstehen Umzüge weit besser. Und sehen meistens erheblich wertvoller und besser aus. Wer auf günstige Spanplattenmöbel nicht verzichten kann, sollte darauf achten, dass Platten der formaldehydarmen E1-Qualität verwendet wurden. Sicherheitshalber sollten die Schnittkanten und Bohrlöcher in den Platten dampfdicht furniert oder silikoniert werden, denn dort treten die meisten Schadstoffe aus.

Naturhölzer sollten möglichst unlackiert sein. Falls Lacke und Lasuren verwendet wurden, müssen diese spezifiziert sein. Keinesfalls Möbel kaufen oder sich schenken lassen, die offensichtlich von Hobby-Heimwerkern "restauriert" wurden. Beizen, Lacke und Lasuren sind praktisch alle schwer kontaminiert. Wenn nicht genau nachvollziehbar ist, welche Mittel zur Oberflächenbehandlung verwendet wurden, haben diese Stücke in einer Wohnung nichts, aber auch gar nichts verloren. Auch wenn diese Dinge oft verharmlost werden, so ist damit nicht zu spaßen. Die Empfehlungen gehen dahin, Holzschutzmittel ganz wegzulassen. Vor allem in Innenräumen sind sie bei den hier herrschenden klimatischen Verhältnissen völlig überflüssig. Oberflächenbehandlung mit Naturharzöllasur, Leinöl oder Bienenwachs sind die Mittel der Wahl.

Auch wenn "die guten Möbel" noch "top in Schuss" sind – wenn von ihnen ein Gefahrenpotential ausgeht, gehören sie auf den Müll, Geld hin oder her. Wer nicht bereit ist, ein wenig in seine Gesundheit zu investieren, wird später ein Vermögen brauchen, um seine Krankheiten zu bekämpfen. Die Krankenkassen übernehmen die Behandlungskosten der üblichen Folgeschäden von Wohnvergiftungen jedenfalls nicht. Wer seine Wohnung stattdessen bewusst und verantwortungsvoll einrichtet, der wird nicht nur schöner wohnen – sondern auch länger.