ReiYoga
Die stille Revolution der Schmerztherapie

Roland Liebscher-Bracht

„Hat irgendjemand jetzt gerade Schmerzen?“ Ein gutes Dutzend Arme gehen nach oben, meiner auch. Ich bin auf einem Seminar für Schmerztherapie. Ich habe 4 Stunden Anreise im eigenen Auto hinter mir, habe noch schnell im Hotel eingecheckt, nachdem ich mich erst einmal in Wien verfahren und dabei wertvolle Zeit verloren habe. Viel zu hektisch, zu stressig und gerade noch rechtzeitig habe ich es zum Seminar geschafft. Jetzt spüre ich den Druck im Schädel. „Wird wohl wieder ein leichter Migräneanfall werden“, denke ich für mich, aber ich habe vorgesorgt, Aspirin gehört zu meiner Standardausrüstung wenn ich auf derartigen Veranstaltungen bin. Ich kenne mich, unter Stress kriege ich schon mal schnell eine Migräne. Ja, im Moment habe ich Schmerzen. Brav melde ich mich also auf die Frage des Referenten.

Im Moment bin ich sogar richtig froh über den drohenden Migräneanfall – schließlich bin ich auf einem Schmerztherapieseminar. Jetzt kann der werte Referent gleich mal zeigen, was er drauf hat. Tut er aber nicht. Stattdessen fragt er meine Leidensgenossen und mich nach unseren Namen und nach dem Ort der jeweiligen Schmerzen und er bittet uns, einen Wert für die Stärke der Schmerzen in Prozent anzugeben, 0% für schmerzfrei 100% für unerträglich. Alle diese Angaben schreibt er auf eine Tafel. „Wir werden diese Werte die nächsten 3 Tage verfolgen, und beobachten, was passiert.“ Mit dieser Ankündigung lässt er es erst mal gut sein.

Jetzt stehe ich mit 14 anderen Seminarteilnehmern in einer Tabelle an der Tafel. 40% habe ich angegeben und fühle mich im Vergleich zu manch Anderem wie ein wehleidiges Würstchen. Klaus, 90%, Lendenwirbelsäule, zweiter Bandscheibenvorfall vor einem halben Jahr, die 90% sind praktisch Dauerzustand. Martin, 85%, Sprunggelenk links, seit 11 Jahren in ärztlicher Behandlung, ergebnislos, seit 2 Jahren Psychotherapie und Schmerzmittel, die momentanen 85% spürt er trotz der Schmerzmittel. Stefan, 75%, beide Hüftgelenke, seit 8 Jahren in Behandlung, mehrfach operiert, ergebnislos. Und einmal 100%, aber nur wenn er den rechten Arm hebt (er hat sich mit links gemeldet), diagnostizierte „Kalkschulter“, noch ein Stefan, hat die Röntgenbilder dabei, seit 3 Jahren auf Dyclophenac, Nebenwirkungen ohne Ende. Die restlichen Teilnehmer bewegen sich zwischen 20 und 70%, diverse Zipperlein, so wie ich. Ich bin ein wenig enttäuscht, ich hatte eine sofortige Demonstration seiner Heilkunst erwartet, doch der Referent beginnt seinen Vortrag, ohne weiter auf die einzelnen Leidensbilder einzugehen.

Seminar

Wir erfahren einiges über den Referenten, Roland Liebscher-Bracht und seinen Werdegang, seine Analyse des Gesundheitssystems, die schulmedizinischen Dogmen und die gedanklichen Sackgassen der universitären Ärzteausbildung. Er argumentiert sachlich, einfach, logisch und extrem pragmatisch. Bewegung sei der Schlüssel zu allem referiert er, und das therapeutische Bewegungssystem ReiYoga sei in den letzten 20 Jahren durch ihn entwickelt worden, nachdem er bei der Erforschung der asiatischen Bewegungs- und Heilkünste auf ein selbst in China längst vergessenes Therapiesystem gestoßen ist. Sein medizinischer Hintergrund stammt aus der Ehe mit Frau Dr. Petra Bracht, die – sowohl in der Schulmedizin als auch in der Naturheilkunde ausgebildet – jahrzehntelange Erfahrungen aus Forschung und Lehre einbringen konnte. Der Hauptaspekt und Schlüssel zu allem ist jedoch die systemübergreifende Anwendung seines im Maschinenbaustudium erworbenen Wissens über Hebel-, Dreh-, Reibungs- und Verschleißkräfte. Warum Gelenke überhaupt verschleißen können, kann nur die Kenntnis der auftretenden Kräfte beantworten. Die traditionelle Orthopädie und Physiotherapie kennt im Wesentlichen nur eine Art von Kräften, nämlich die von außen. Dass die inneren Kräfte ein wesentlich höheres Verschleißpotenzial in den Gelenken entfalten, ist in der modernen Schmerztherapie völlig unbekannt und wird nicht einmal ansatzweise in Erwägung gezogen. Diese funktionelle Bewusstlosigkeit ist der Grund für das Versagen der heutigen Therapiesysteme.

In den letzten 20 Jahren hat er einige Tausend Schmerzpatienten behandelt, man merkt ihm an, dass er längst nichts mehr beweisen muss. Ich spüre, dass er viel mehr weiß, als er sich anmerken lässt. Er gibt mir das Gefühl, uns genau so viel Wissen zu vermitteln, wie es unser Verstand und unser bisheriges Welt- und Medizinbild verkraftet. Schon Paracelsus wusste: Die Dosis macht das Gift, und so ist es auch mit der Wahrheit. Zu viel davon ist schädlich. In kleinen Dosen verabreicht er uns das Gift der Wahrheit und sieht lächelnd zu, wie unser Verstand die Wirkung potenziert.

Nach zwei Stunden Vortrag mit einigen Augenöffnern ist mein Schädel auf 60%, nur Klaus, der Bandscheibenvorfall, der 2 Plätze neben mir sitzt und tapfer alle 2 Minuten seine Sitzposition von 90 auf 88% Schmerz wechselt, hat mich bisher davon abgehalten, dass ich mir 2 feige Aspirin einwerfe. Jetzt bittet uns Roland aufzustehen, die ersten Übungen seiner ReiYoga-Bewegungsformen müssten jetzt gelernt werden.

Ich würde viel lieber weiter vom Baum der Erkenntnis naschen. Die ReiYoga-Turnerei wirkt für mich wie ein thematischer Bruch. Gerade eben noch haben wir von den geheimnisvollen Zusammenhängen zwischen Schmerzen und Biomechanik gehört, und nun müssen wir uns nach asiatischen Lehren verbiegen. Doch auch hier folgt eine Überraschung. Blumige Begriffe und exotische Übungsbezeichnungen fehlen im ReiYoga völlig. Winkelangaben für Arm- und Fußstellungen, Ansteuerungshinweise für einzelne Gelenke und präzise biomechanische Beschreibungen bestimmen die einzelnen Übungen. Die ersten 3 Übungssektionen von insgesamt 12 sind durchgeführt. Obwohl die Bewegungen sehr langsam, kontrolliert und eigentlich unspektakulär waren, bin ich doch ins Schwitzen gekommen.

Danach stehen noch einmal 3 Stunden an, wir lernen etwas über Anatomie, Mechanik, Muskeln, Sehnen und Gelenkverschleiß. Es ist spät geworden, 20.00 Uhr. Morgen früh um 8.00 Uhr soll es weitergehen. Bevor wir uns alle in unsere Hotels verziehen dürfen, geht Roland noch mal an die Tafel und fragt die Schmerzpegel ab. Meine 60% Migräne ist weg, und ich habe keine Erklärung dafür. Ebenso geht es insgesamt 8 anderen, die Zipperlein sind verschwunden. Klaus, die Bandscheibe, Martin, das Sprunggelenk, Stefan die Hüfte und Stefan II die Kalkschulter sind hartnäckig, sie schwanken zwischen „5% Verbesserung“ und „unverändert“...

seminar

Am dritten Tag kommt es zu einem sehr berührenden Ereignis. Am Vortag haben wir zwischen den Vorträgen immer wieder die ganzen 12 Bewegungssektionen der ersten ReiYoga-Form komplett gelernt und mehrmals geübt. Heute Morgen stehen Martin, dem Sprunggelenk, das gestern früh noch bei satten 65% Schmerz war, bei der Abfrage der Schmerzpegel Tränen in den Augen. Er war heute später dran und erreichte die S-Bahn-Station, mit der er jeden Morgen von seinem Hotel zum Seminar fuhr, ein wenig zu spät. Er hat seine Bahn trotzdem noch erwischt, denn er war in der Lage, sie laufend zu erreichen. Zum ersten Mal seit 11 Jahren konnte er rennen. Er hat seit Beginn des Seminars keine Schmerzmittel mehr genommen und ist trotzdem auf einem Restschmerzpegel von nur 20%, für seine Verhältnisse praktisch schmerzfrei. Er erzählt uns seine medizinische Odyssee. Er war insgesamt bei 13 Spezialisten und Kliniken. Röntgen, CT, MRT, Punktierung, Operation, das volle Programm. Sein letztes Gespräch war mit dem Chefarzt einer orthopädischen Spezialklinik, der ihm eröffnete, dass seine Sprunggelenksschmerzen durch die moderne Medizin nicht zu lindern seien. Er solle sich in psychotherapeutische Behandlung begeben, um mit seinen Schmerzen leben zu lernen. Und heute Morgen ist er zur U-Bahn gelaufen, nachdem er gestern insgesamt vielleicht 2 Stunden ReiYoga gemacht hat. Mir läuft es eiskalt den Rücken herunter. Roland reagiert völlig unbeeindruckt. „Das war klar, völlig Normal. Freut mich für Dich!“ - und streicht Martins Namen von der Liste.

Warum erzielt die herrschende Schmerztherapie so bescheidene Ergebnisse? Weil meist von völlig faschen Zusammenhängen ausgegangen wird und dementsprechend mit den falschen Mitteln an den falschen Stellen therapiert wird. Diese ketzerische Aussage steht jedoch im völligen Widerspruch zu dem, was man als betroffener Patient, Krankengymnast, behandelnder Arzt oder spezialisierter Professor zu wissen glaubt. Aber woher haben all jene ihr Wissen? Übernommen von der Universität, therapeutischen Ausbildungen, Kollegen, letztendlich von der herrschenden Lehrmeinung. Diese herrschende Meinung wird schon im Kindergarten der medizinischen Ausbildung, beim Studium, als Dogma automatisch und unüberprüft über den unverdorbenen Geist des Studenten gestülpt und schafft so einen unüberwindlichen Rahmen innerhalb dessen sich alles Wissen einordnen lassen muss. Passt eine Therapie nicht in das Schema, so muss sie per definitionem Unfug sein. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Es ist nicht einfach, sich von der Jahre oder sogar Jahrzehnte andauernden Gehirnwäsche der herrschenden Meinung zu lösen und sich vom Joch der Dogmen zu befreien. Sein Ego zu überwinden und sich mit kritischen und unbequemen Fragen auseinander zu setzen, ohne zu argumentieren, dass „man“ ja schließlich schon lange darauf gekommen wäre, wenn etwas am herrschenden Modell falsch sei. Aber „man“ wird niemals darauf kommen, weil „man“ kein Interesse an Veränderung hat. Der Lehrer, der seine Lehre als falsch erkennen muss, wird wieder zum Schüler, doch will er das denn überhaupt?

Roland

Man sollte sich mit Tatsachen auseinander setzen und logische Zusammenhänge akzeptieren, ohne von vornherein nach dem Grund zu suchen, warum es nicht funktionieren kann. Martin, das Sprunggelenk, war von der Schulmedizin abgeschrieben. Nach drei Tagen ausgeklügelter Bewegungsübungen, in denen gezielt muskuläre Fehlspannungen ausgeglichen und Fehlprogrammierungen im Bewegungsverhalten aufgelöst wurden, war die 11jährige Leidensgeschichte beendet.
Die anderen schweren Fälle unter den Teilnehmern wurden im Laufe des Seminars noch mit der speziellen Druckpunktmassage des ReiYoga-Systems behandelt, die wir alle gelernt haben. Auch deren Schmerzen waren daraufhin weg. Klaus und Stefan (die Kalkschulter) wollten es jedoch nicht glauben. Sichtlich erregt zeigten sie Roland Ihre Röntgen- und CT-Aufnahmen, sie hätten doch Kalkablagerungen, bzw. eine vorgefallene Bandscheibe, das sei doch erwiesen, insistieren beide trotzig. „Ja, sicher, die habt ihr ja auch noch“, sagt Roland völlig unbeirrt. Klaus und Stefan sind völlig überfordert, sie sind außerstande sich von den angeblichen fotografischen Beweisen für ihre Leiden zu lösen. „Eure Schmerzen haben mit den fotografisch dokumentierten Befunden nichts, rein gar nichts zu tun. Aber das war nun mal das Einzige, was Eure Therapeuten gefunden haben. Ein Arzt sucht die Ursache von Schmerzen, indem er mittels Bild gebender Verfahren oder Blutanalysen nach Unterschieden zwischen dem Körper des Patienten und dem lehrbuchgemäßen Musterkörper sucht. Schmerzverursachenden Muskeltonus kann man aber nicht sehen. Eure Befunde sind noch da, aber die Schmerzen sind weg, oder irre ich mich?“, „Ja, schon“ sagen sie, „die Schmerzen sind weg...“ Die Beiden werden wohl noch einige Zeit benötigen, bis sie den Trümmerhaufen ihrer widerlegten medizinischen Überzeugungen zurück lassen können.

ReiYoga, das ist für mich nur noch das Schmerzyoga. Es ist ein komplettes System aus Bewegungsformen zum gesund programmieren der Muskulatur, Engpassdehnungen, Beweglichkeitskräftigungen sowie Ansteuerungstraining. Es beinhaltet eine fundierte, wissenschaftliche Grundlage zur Erklärung der Schmerzen und deren Behebung. Die Ergebnisse sind spektakulär, aber noch wichtiger, sie sind beliebig reproduzierbar. 95% aller Schmerzzustände, unabhängig von deren Schwere oder Therapiestadium sind damit ursächlich und nachweislich zu beseitigen.

Seminar

Ich selbst habe nach dem ReiYoga Seminar keine weiteren therapeutischen Ambitionen entwickelt, ich nutze das Wissen hauptsächlich für mich, meine Familie und die engeren Bekannten. In diesem kleinen Kreis habe ich die Druckpunktmassage und die Übungen trotzdem schon einige Dutzend Male angewendet. Hexenschuss, Tennisellenbogen, Meniskusschmerzen, Rückenschmerzen, Ischiasschmerzen bis zur Bewegungsunfähigkeit, Migräneanfälle, und die berühmte Sehenscheidenentzündung, das alles hatte ich schon zu „behandeln“, die meisten davon waren zuvor in langwieriger ärztlicher Behandlung. Ein bisschen massiert und zwei, drei muskelverlängernde Engpassdehnungen beigebracht und weg waren die Schmerzen – geradezu lächerlich einfach.

Muskel verlängernde Übungen gibt es nicht, mag der eine oder andere Schlauberger nun triumphierend ausrufen, denn Muskeln könne man nicht verlängern. Mach´s besser oder schweige in Demut und lerne dazu, ist meine Antwort. Wer heilt, hat Recht – nicht wer die meisten Titel auf der Visitenkarte stehen hat. Wenn ich als Laie schon durch bloßes Nachäffen der genialen Konzepte des ReiYoga solche Erfolge erzielen kann, dann ist dies in den Händen eines ernsthaften Therapeuten eine derart mächtige Waffe, mit der das eine oder andere Dogmengebäude der Schulmedizin dem Erdboden gleich gemacht werden könnte.

Informationen über Vorträge, Seminare, Schulungen und Weiterbildung beim Verlag unter http://www.liebscher-bracht.com/